

"Der Fungus wächst, der Regen rauscht - Mirakel der Naturgewalten - ich hab es oft und gern belauscht ... so oder so ähnlich heißt es bei H. C. Artmann, und ich wüsste nicht, wie sich spätsommerliche Regentage besser in Worte fassen lassen ... Wie gehabt, dieses Jahr hat die Sonne ihr Soll übererfüllt und dunkle Wolken waren Mangelware. Erst seit Mitte August gibt sich hin und wieder ein Tiefdruckgebiet die Ehre. Das sorgt – zum Gück meist in den Nachtstunden – für den einen oder anderen recht kräftigen Regen. Beinahe besichtigen lässt sich, wie Blühen, Wachsen und Gedeihen wieder einsetzen. Rasen und Beete genießen die Regenkur und beleben sich aufs Neue. Sattes Grün leuchtet, wo noch vor zwei Wochen die Farbskala des Verdorrens besichtigt werden konnte.
So auch im Wald. Dort hat die Kombination aus Durchfeuchtung und sommerwarmen Nächten außerdem große Mengen von Pilzen aus dem Boden gelockt. Viele werden die Bilder im Hinterkopf tragen, wie es plötzlich in der Wüste blüht und grünt, wenn es alle Jahre ein Mal regnet. Eine Idee von „Die Wüste lebt“ oder „Grüße aus den Subtropen“ bekommt auch, wer sich dieser Tage Pfade bahnt durch das Dickicht vorpommerscher Buchenwälder. Alle paar Schritte springt ein kleiner Froschlurch – Unken? – durch das Bild, und wo die Sonne den Waldboden bestrahlen und erwärmen kann, da dampft und wabert es.
Vielfach stehen die Pilze nicht, sondern sie liegen da wie abgebrochen. Wofür nicht die Füße oder Hände anderer Pilzsammler verantwortlich sind, sondern – diese Erklärung drängt sich auf – überschnelles Wachstum: der Pilzfuß kann den Pilzhut nicht tragen, die Basis ist zu schwach, den Überbau stabil zu halten …
Nachdem der Nachbar die Steinpilze körbeweise aus dem Wald getragen hat, ist gestern auch der Gärtner in die Pilze gegangen. Der Gärtnerin hat es geschmeckt. Mit weiteren Gängen darf gerechnet werden …
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